Sie sind hier: Texte  
 TEXTE
Kirche und Schule
Gewalt an Schulen
Ehrenamt und KA

KONFI-PSALMEN
 

Entstanden auf den Konfitagen in Hohensolms
29.10.-1.11.2001



Bei den Konfitagen in Hohensolms haben wir uns in diesem Jahr mit Psalmen beschäftigt. Wir haben die Psalmen in ihrer alten Sprache gelesen, abgeschrieben und gespielt, wir haben Psalmen in unsere heutige Sprache und Erfahrungswelt übertragen und übersetzt, wir haben eigene Psalmen formuliert - wir haben nicht über Gott geredet, sondern Gott mit "Du" angeredet.

Sie lesen drei Psalmen-Übertragungen (Ps 82,2-9, Ps 100,2-5, Ps 139,1-6) und eine Auswahl von zehn der dreißig freien Psalmen, die häufig mit einem biblischen Psalmwort beginnen. Die Konfitage wurden begleitet von Thomas Ehgart, Manuel Eibach, Tom Gerritz und Johanna Wörner, für deren verlässliche und engagierte Zusammenarbeit ich sehr dankbar bin.

Susanne Domnick

(Auch als Word Dokument im Download [8 KB] erhältlich!)


 

Teil 1: Eigene Psalmen

Psalm
Ich bin heiser vor lauter Schreien.
Warum, Gott, erlebe ich so viel Schlimmes?
Warum werde ich belogen?
Wann nimmt meine Qual ein Ende?
Es gibt doch bestimmt noch einen anderen Weg, Gott?
Wenn ja, dann führe mich bitte dorthin!
Ich wünsche mir, daß ich so akzeptiert werde wie ich bin.
Wenigstens von Dir, Gott!
Herr, ich bin doch auch nur ein Mensch.
Warum darf ich nicht so leben wie die anderen auch?
Ich möchte verstanden werden, wenn ich rede,
ich möchte, daß man mir zuhört!
Herr, ich hoffe auf dich, ich hoffe Du verstehst mich!

Gott, wo warst du und
wo bist Du?


Gott, wieso handelst Du nicht?
Gott, wieso hilfst Du nicht den Armen
und den Leuten, denen es dreckig geht?
Gab es einen Sinn?
Gott, gibt es Dich für uns?

Gott ist dort und Gott
ist hier


Gott hat viel zu tun
Hörst Du ihn in Dir?
Hast Du für mich Zeit, Gott?

Gott, wie lange
noch?




Wie lange noch soll das so gehen?
Wir leben schon mit großer Angst.
Angst, auch bald dran zu sein.
Angst zu sterben.
Angst vor Bedrohung in der Schule,
auf der Straße, im Wald, zu Hause.
Warum müssen wir Angst haben?
Warum gehört Angst zu unserem Leben?
Wofür ist Angst gut?
Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Warum müssen wir sterben?
Warum sind Menschen böse?
Warum nur, Gott, warum?

Gott, Du sagst zu mir:
Verzweifle nicht an dir selbst,
denn jemand wird dir helfen und für dich da sein!
Wenn du denkst, du kannst etwas nicht,
zweifle nicht so schnell an dir selbst,
Du bist wunderbar gemacht!

Ich möchte glauben,
aber du machst es mir so schwer...



1. Zu allen Zeiten glaubten Menschen an dich,
sie schöpften Kraft und fanden neuen Mut.
2. Es gibt keine Beweise für deine Existenz,
aber die hat es bisher auch nie gebraucht.
3. Doch in letzter Zeit habe ich Zweifel,
ob es Dich wirklich gibt.
4. Du forderst, daß man dir treu ist,
dir dankt, dich preist,
5. aber was tust du für diese Freundschaft?
Du versprichst den Himmel auf Erden,
6. und wir erleben teilweise die Hölle auf Erden.
Die Angst gehört zu unserem Alltag,
wir werden mit ihr groß.
7. Es gibt mehr Unrecht als Recht,
mehr Arme als Reiche,
mehr Hungrige als Gesättigte.
8. Dafür sollen wir dich preisen? Dafür danken?
Wenn wir in unserer Angst zu dir aufschreien,
9. dann antwortest du nicht.
Wenn du so weiter machst, dann wirst du bald
alleine dastehen und keiner wird mehr glauben.
10. Mach es uns doch nicht so schwer!

Manchmal fühle ich
mich wie ein Vogel im Käfig

Wer lässt mich raus?
Ich warte, daß mein Vater anruft,
er hat es mir versprochen.
Ich warte immer wieder auf seinen Anruf.
Doch es ist sinnlos darauf zu warten.
Und wenn ich ihn anrufe ist immer sein handy aus.
Dann brauche ich jemanden, der mich aufmuntert
und mir das Gefühl gibt: ich hab dich lieb.
Zum Glück habe ich meine Mutter!
Dafür danke ich Dir, Gott! DANKE
Gott, muß ich es
verstehen?


Versuchst du es mir zu erklären?
Vielleicht will ich es nicht verstehen.
Gerade in dieser Zeit brauche ich deine Hilfe
und du verdrückst dich!
Das hätte ich nicht von dir gedacht!
O.K. ich weiß, daß es auch noch andere Menschen gibt,
die in dieser Zeit deine Hilfe brauchen,
aber du bist doch Gott,
du hast Macht,
du musst doch für alle da sein, wenn sie dich brauchen!
Und Gott, ich brauche dich!
Aber Gott, ich verzeihe dir,
denn in meinem Leben gab es nicht nur schlechte Zeiten,
sondern auch super gute
und in diesen Zeiten warst du bei mir!
Wärst du doch auch jetzt bei mir!
Das ist dein Zorn, daß
wir sterben müssen!

Gott, du lässt so viele Leute sterben,
die es nicht verdient haben!
Warum?
Willst du uns damit etwas sagen?
Wenn man einen Menschen geliebt hat,
ist alles noch mal viel schlimmer.
Warum?
Es ist alles so kompliziert.
Und ich verstehe die Welt nicht.
Warum?


Ich bin wie ein zerbrochener Topf,
nicht mehr als eine Scherbe ist von mir übrig,
ich bin ein Trümmerhaufen.
Ich fühle mich völlig zerschlagen,
wer will noch was von mir!
Komm, mach du mich auch noch fertig,
es ist sowieso schon egal,
ich zerbrösele hier,
von mir ist nichts mehr übrig.
Wer ich mal war? - Vergessen!




Teil 2: Übertragungen von Psalmen

Nach Psalm 82

Ich sage zum Bürgermeister:
Wie lange willst du noch ungerecht sein
und die Reichen, Mächtigen, in Luxus Lebenden bevorzugen?
Setzt dich ein für die Penner und Obdachlosen,
für die Armen, die nix haben,
die alleine sind ohne Eltern, Freunde und Verwandte.
Ihr, Wir, Alle, das Volk
laßt uns diese retten und diesen Menschen helfen gegen die Anderen!
Denn die Reichen und Mächten sind dumm,
sie peilen nichts und verschließen die Augen vor dem Unrecht.
Laßt uns ihnen die Macht entreißen
und wir werden die Regeln der Welt durcheinander bringen.
(Gruppe "Vertrauen")

Nach Psalm 100

Habt Spaß und glaubt gern an Gott!
Freut euch, daß ihr von Gott eine Nachricht bekommt.
Gottes sms an uns heißt:
"Genießt euer Leben und vergesst mich nicht!"
Wir sind nicht unsere eigenen Schöpfer,
wir machen uns nicht selbst,
sondern alles Leben kommt von Gott.
Feiert und freut euch, egal wo ihr seid,
Gott ist bei euch.
Gott ist alles Gutes
und Gott ist für alle da.


Nach Psalm 139

Du kennst meinen Namen.
Ich finde das beunruhigend und gruselig,
weil keiner wissen muß wie ich heiße.
Der Name ist etwas Persönliches.
Denn wenn du meinen Namen kennst,
hast du noch mehr Macht über mich.
Dann weißt du,
wer ich bin und was ich tue.
Ich möchte erst gefragt werden
und dann kann ich mir überlegen,
ob ich dir meinen Namen sage.
Das gilt auch für dich, Gott.


Teil 3: Übertragene Psalmsätze

Wenn ich morgens aufwache und keine Lust auf den Tag habe, wünschte ich, ich könnte dich nahe bei mir spüren.

Wenn sie mich auslachen und hinter meinem Rücken lästern, fühle ich mich total verlassen und möchte am liebsten zuschlagen, aber dazu fehlt mir die Kraft
- sei du meine Kraft, Gott.
- gib du, Gott, mir Kraft mich zu wehren.
- hilf mir sie zu dissen.

Letztlich bin ich immer beschützt und sicher.

Akzeptiert, daß es Gott gibt!

Gott ist dir nahe, wenn Du clean von Problemen bist!

Manchmal bleibe ich stumm und sage kein Wort: Bleib wenigstens du bei mir, Gott.

Gott, wenn ich auf die schiefe Bahn gerate, führe mich zurück auf den richtigen Weg.

Egal, ob ich schlafe oder wach bin, du beschützt mich.

Gott ist gerecht und bestraft nur die, die es verdient haben.

Ich hoffe nicht auf die Ziele, die ich nicht erreichen kann.

Schon unsere Eltern hast du beschützt, nun schütze auch mich.

Du bist immer bei mirund legst den Arm um mich.

Niemand kann mir soviel Mut und Vertrauen geben wie du.

Verlass dich nicht nur auf deine eigene Kraft, weil es dir am Ende nichts nützt.

Die ganze Welt jubelt über Gott und singt für ihn (leider können wir das nicht hören!)

Egal, wo ich bin, du weißt, was ich denke!

Feiert Gott mit eurer Stimme!


Entstehung der Psalmen

Montag Abend: Emotionen: Zorn, Haß, Begeisterung, Mut, Verzweiflung, Angst, Vertrauen, Hoffnung - Assoziationen dazu auf Plakaten verschriftlichen und in "Altären" darstellen.

Dienstag Morgen: 200 Psalmverse nachschlagen und aufschreiben, zu den entsprechenden Emotionen zuordnen. In Kleingruppen einzelne Sätze übersetzen in eine uns verständliche Sprache: Teil 1 der übertragenen Psalmen. Einzelne Gruppen übersetzen bereits ganze Psalmen

Dienstag Nachmittag: Eigene Erfahrungen im Mittelpunkt durch gelenkte Phantasie, Herbstspaziergang, Musikmachen angeregt: Teil 2 der übertragenen Psalmen - drei Gruppen erarbeiten die Übertragungen von Psalm 82, 100, 139.

Dienstag Abend: Abschreiben eines Psalms

Mittwoch Morgen: Theatralisches Sprechen, Psalmsätze werden vom Team gespielt, gebetet, dargestellt. Vertiefung durch Malen, Schreiben (Grafik), In-Szene-Setzen

Mittwoch Nachmittag: Schreiben des eigenen Psalms

Mittwoch Abend: Spiele

Donnerstag Morgen: Darstellen, Vortragen der Gruppenerarbeitungen im gottesdienstlichen Abschluß der Konfitage

Themen:
Wut, Haß, Zorn
Baum
Nicht über Gott reden, sondern Gott anreden
Wechsel: traditionelle und eigene Sprache
Worüber wird geredet, was möchte gehört werden
New York. New York
Fähigkeiten der TeamerInnen, Methodische Entscheidungen
Spannung von Spaß haben und Elend erleben, öffentlicher und privater Ausdruck


Texte | Offene Konfi-Arbeit

Druckbare Version