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OFFENE KONFI-ARBEIT |
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Gemeinsam für das Leben lernen - Plädoyer für eine offene, lebendige und vielfältige Konfirmandenarbeit in unserer Gemeinde
Pfr. Cornelius Mann, Lich
(Auch als Word Dokument im Download [5 KB]
erhältlich!)
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Unsere Kirche braucht Kinder und jugendliche. Denn ohne Jugend hat die Kirche auf Dauer keine Zukunft. Entsprechend gehört es zu den wichtigsten Aufgaben einer Kirchengemeinde, junge Menschen mit den Inhalten und Traditionen des christlichen Glaubens vertraut zu machen.
Wir haben das Glück, dass sich bei uns nach wie vor die meisten evangelischen Jugendlichen zum Konfirmandenunterricht anmelden. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konfirmandenunterricht trotz allen Engagements immer schwieriger wird. Und nach ihrer Konfirmation bleiben die Jugendlichen fast alle weg. Man spricht davon, dass die Jugendlichen mit der Konfirmation aus der Kirche "herauskonfirmiert" werden. Ein Kollege äußert gar, dass für ihn jede Konfirmation etwas von einer Beerdigung hätte.
Nun gibt es ja in unserer Gesellschaft eine weit verbreitete Haltung, über Missstände lauthals zu klagen und anschließend alles beim Alten zu belassen. - Man kann Krisen freilich auch als Herausforderung betrachten und sagen: Wenn die Umstände sich, ändern, dann müssen wir nach neuen Wegen suchen, junge Menschen mit dem christlichen Glauben vertraut zu machen.
Wir haben in den letzten Jahren im Kirchenvorstand immer wieder über diese Fragen gesprochen und ich habe im Rahmen eines dreimonatigen Studienurlaubs Gelegenheit gehabt, mich noch einmal intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. Einige Gedanken dazu möchte ich hier gerne zur Diskussion stellen:
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1. Die Konfirmanden müssen in den Mittelpunkt des Konfirmandenunterrichts gestellt werden.
Der derzeitige Unterricht geht in der Regel von einem Stoffplan aus, bei dem bestimmte Themen (Bibel, Zehn Gebote, Abendmahl) vermittelt werden sollen. Diese Stoffvermittlung funktioniert aber immer weniger und der Abstand zwischen dem Konfirmandenunterricht und dem Leben der Jugendlichen wird immer größer.
Was wir brauchen ist ein Perspektivenwechsel, der die Jugendlichen stärker in den Mittelpunkt des Unterrichts stellt und der sie als junge Menschen wahrnimmt, die sich von ihrer Kindheit ablösen und beginnen, ihre eigenen Wege ins Leben zu gehen.
Jugendliche in dieser Lebensphase haben, viele Fragen. Sie suchen nach Identität und nach einer tragfähigen Gemeinschaft. Sie suchen nach Orientierung und Sinn für ihr Leben und sie brauchen dafür Freiräume und Gesprächspanner. Die entscheidende Frage ist, was wir ihnen von unserem christlichen Glauben her an Antworten und Perspektiven für ihr Leben anzubieten haben.
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2. Das oberste Ziel des Konfirmandenunterrichts ist nicht die Förderung von kirchlichem Nachwuchs, sondern die Begleitung von Jugendlichen auf einer wichtigen Strecke ihres Lebens.
Hinter dem Konfirmandenunterricht steht auf Seiten der Kirche immer noch mehr oder weniger offen die Hoffnung, dass die Konfirmanden auch nach ihrer Konfirmation den Gottesdienst besuchen und aktiv in der Gemeinde mitarbeiten. Diese Erwartung erweist sich jedoch Jahr für Jahr als völlig unrealistisch. Sie überfordert und blockiert alle Beteiligten, sie schafft bei den Konfirmanden ein schlechtes Gewissen und bei den Unterrichtenden das Gefühl einer ständigen Enttäuschung. Sinnvoller und angemessener wäre es die Konfirmandenzeit als eine Art Entdeckungsreise zu sehen, als ein Angebot für heranwachsende Menschen, die für eine bestimmte Zeit gemeinsam mit dem Pfarrer und der ganzen Gemeinde das Land der Kirche und der christlichen Religion erkunden, um herauszufinden, was man davon für das eigene Leben brauchen kann.
Am Ende dieser Zeit steht dann die Konfirmation, bei der die Gemeinde den Konfirmanden die Taufzusage bekräftigt und ihnen den Segen Gottes für ihren weiteren Lebensweg zuspricht.
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3. Jugendliche müssen selbst ihre Erfahrungen machen.
Pubertierende Jugendliche gelten in der, Regel als ziemlich lernfaul und wenig interessiert. Das ändert sich schlagartig, wenn Themen angesprochen werden, die sie unmittelbar betreffen (z. B. AIDS, Drogen). Jugendliche schalten dagegen ab, wenn sie die Unterrichtsthemen nicht mit ihrem Leben in Verbindung bringen können, und sie blocken ab, wenn man ihnen einfach vorgefertigte Antworten aufdrückt.
Dass der christliche Glaube etwas mit unserem Leben zu tun hat, dass Gottesdienste feiern etwas Schönes ist und dass Christsein Spass machen kann, das wollen Jugendliche nicht erzählt und diktiert bekommen, sondern das wollen und müssen sie selbst ausprobieren. Sie müssen selbst ihre Erfahrungen machen. - Was wir dagegen an christlichen Inhalten und Erfahrungen ins Gespräch einbringen, das kann immer nur ein Angebot sein.
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4. Lebendige Konfirmandenarbeit braucht eine lebendige Vielfalt an Formen.
Der normale Konfirmandenunterricht mit zwei Unterrichtsstunden pro Woche ist sehr stark an der Vermittlung von Wissen und Information über Religion orientiert. Ein solches Wissen ist notwendig, und es gehört zum Wesen des christlichen Glaubens, dass man ihn auch kritisch befragen darf, um zu einem eigenen Standpunkt zu gelangen.
Der Mensch hat allerdings nicht nur einen Kopf und er lebt auch nicht nur vom Reden und Schreiben allein. Und wenn unser Glaube wirklich den ganzen Menschen betrifft, dann müssen wir auch nach Wegen suchen, ganzheitlich zu lernen.
Neben die reine Kopfarbeit müssen gleichberechtigt andere Formen. des Lernens treten: z. B. kreatives Gestalten oder soziales Lernen beim Spielen oder bei gemeinsamen Unternehmungen. Eine besondere Chance für gemeinschaftliches Lernen bieten Freizeiten. Außerdem müssen wir versuchen, Elemente der Jugendarbeit in die Konfirmandenarbeit zu integrieren.
Zu einem lebendigen Konfirmandenunterricht gehört schließlich auch, dass er sich nach außen hin öffnet, und dass er eine Vielfalt an Unterrichtsformen anbietet. Neben oder anstelle des normalen Unterrichts sind z. B. Konfirmandentage und -abende denkbar. So wollen wir u. a. mit. dem neuen Konfirmandenkurs- an zwei Tagen die Themen "Sucht und Abhängigkeit" und "Ausgrenzung und Gewalt gegen Fremde" bearbeiten; auch sind Interviews, etwa mit Kirchenvorstehern, Erkundungen, Praktika in Gemeindegruppen oder bestimmte Projekte vorgesehen.
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5. Jugendliche müssen einen Platz und Freiräume in der Gemeinde haben.
Lebendiges Lernen geschieht nicht nur mit dem Kopf und aus Büchern, sondern mehr noch durch. gemeinsames Tun und Ausprobieren. Die Gemeinde muss darum Jugendlichen Raum geben, sich einzubringen, Dinge auszuprobieren und mitzugestalten. Ein besonders heikles Thema sind hier die Gottesdienste. Wir erwarten ja, dass die Konfirmanden die Gottesdienste besuchen, weil sie die zentrale Veranstaltung der Gemeinde sind. Aber abgesehen davon, dass nur eine kleine Minderheit der Gemeinde an diesen Gottesdiensten überhaupt noch teilnimmt, erscheint der Gottesdienst den Konfirmanden als ziemlich fremd und unverständlich. Schon aus rein pädagogischen Gründen ist es nicht sinnvoll, hier einfach nur ein Absitzen zu erzwingen. Vielmehr müssen wir uns bemühen, die Jugendlichen in Zukunft viel stärker in die Gestaltung der Gottesdienste miteinzubeziehen.
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6. Konfirmanden brauchen Gesprächspartner.
Die Verbindung zur Kirchengemeinde läuft heute in der Regel über Personen. Dabei besteht die Gemeinde aus sehr viel mehr Menschen als nur aus dem Pfarrer. Je mehr Gesprächspartner die Konfirmanden in der Gemeinde finden, desto stärker werden sie sich dort zu Hause fühlen. Mittel dazu sind Interviews mit bestimmten Personen, "Paten" für die Konfirmandenzeit oder ehrenamtliche Mitarbeiter (auch Jugendliche!) im Konfirmandenunterricht. Ein anderer Weg, Kontakte herzustellen, ist das Angebot von Konfirmandenelternarbeit (z. B. regelmäßige Elternabende, Hausbesuche).
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7. Konfirmanden sollen am Abendmahl teilnehmen dürfen.
Früher galt die Konfirmation als der Zeitpunkt, an dem man zum ersten Mal am Abendmahl teilnehmen durfte - und für die meisten war es dann auch gleich das letzte Mal. Heute ist es weitgehender ökumenischer Konsens, dass allein die Taufe die Bedingung für die Zulassung zum Abendmahl ist. Entsprechend hat vor einigen Jahren unsere Landessynode beschlossen, dass auch Kinder zum Abendmahl gehen dürfen. Es ist sicher notwendig, im Konfirmandenunterricht über die Bedeutung des Abendmahls zu reden. Aber wenn Konfirmanden eine innere Beziehung zum Abendmahl gewinnen sollen, dann geschieht dies eher, wenn sie bereits während ihrer Konfirmandenzeit am Abendmahl teilnehmen dürfen und wenn sie auch eingeladen sind, es in jugendgemäßer Form mitzugestalten.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Arbeit mit Konfirmanden zwar manchmal schwierig ist, aber sie bleibt doch eine zentrale Aufgabe der Gemeinde und eine Investition in die Zukunft! Wir brauchen dazu Mut und Fantasie, um neue Wege auszuprobieren. Wir brauchen Geduld mit uns und den Jugendlichen und die Gelassenheit, dass letztlich Gott derjenige ist, der unseren Glauben wachsen lässt.
Cornelius Mann
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Konfi-Psalmen | Maße des Menschlichen / Resume
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